Menschen fischen

Dass die AfD sich thematisch deutlicher und breiter positionieren muss, ist keine Frage. Dass die externe Kommunikation und die Aussendarstellung verbessert werden muss, ist auch keine Frage. Dass die Euphorie vieler anfänglicher Mitstreiter nach und nach abflachen wird, ist ebenfalls keine Frage.

Als langjähriger Unternehmer und Krisenmanager bin ich und sind meine Führungskräfte solche Situationen gewohnt – egal, ob es sich um die Festlegung und Realisierung strategischer Ausrichtung, die Selektion und das Aufspüren strategischer Partner oder die Entwicklung und Realisierung von Projekten handelt. Immer ist die Antwort auf die immer gleiche Frage wichtig: Welchen Mehrwert können wir bieten.

Bezüglich der AfD ist der Mehrwert ganz generell, dass Probleme thematisiert und noch nicht im Politiksprech eingewickelt werden. Aber das allein genügt nicht. Wir müssen Menschen fischen – und das mit Ködern, die den Menschen schmecken. Und dort, wo die Menschen sind. Also die Bundespolitik für die Aufmerksamkeit und Positionierung, die Kommunalpolitik für die breite Basis der Unterstützung und Wählerstimmen.

Gerade im kommunalpolitischen Alltagsgeschäft kann man, können wir als AfD etliches erreichen. Die dort vielfach etablierten Grünen und Freien sind mittlerweile in der Parteienlandschaft, den Spruchblasen und den Arrangements vom System geschluckt worden. Hier gilt es, mit umfassenden Themen und vor allem Lösungsansätzen aus der Praxis den verlassenen Raum für die AfD zu gewinnen. Dort geht es durch praktische Lösungsansätze ohne Geschwafel und mit Unterstützung aus der Wirtschaft, um der Theorie einen praktischen Unterbau zu liefern. Nach den Professoren, nun die Unternehmer.

Der Begriff „Erneuerbare Energie“ ist mittlerweile negativ besetzt. Aber und gerade wenn wir auf kommunaler Ebene den Bürgern günstigen Strom, verlässliche Bürgernähe, genossenschaftliche Gemeinsamkeit und regionale Wertschöpfung anbieten, dann fixieren wir die AfD beim Menschen. Und dort wollen wir hin.

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Schluss mit dem Glauben an die saubere Atomenergie

Die Pannenserie an der japanischen Atomruine Fukushima hält an: An dem havarierten Kraftwerk ist ein weiterer Tank mit radioaktivem Wasser übergelaufen. Verseuchtes Wasser sei in den Pazifik gelangt, teilte die Betreiberfirma Tepco mit. Unglaublich:  Ein Arbeiter der Atomanlage soll das Fassungsvermögen des Tanks falsch eingeschätzt haben. Über einen Zeitraum von etwa zwölf Stunden traten demnach mindestens 430 Liter Wasser aus. Der Behälter verfügte über keine Anzeige, die vor einem Überlaufen hätte warnen können.

Laut Tepco soll das Wasser über eine Betonsperre gelaufen und durch einen Graben ins Meer geflossen sein. Der Tank ist einer von etwa tausend, die auf dem Gelände aufgestellt wurden. Laut einem Tepco-Sprecher stand er auf abschüssigem Untergrund und war in Richtung Meer geneigt. Ein Regierungssprecher sagte, der erneute Zwischenfall zeige, dass Tepcos Bemühungen zur Bewältigung der Krise unzureichend seien. Es ist bereits das zweite Mal binnen weniger als zwei Monaten, dass kontaminiertes Wasser aus den Reaktoren ins Meer floss.

Tepco steht wegen seines Krisenmanagements heftig in der Kritik. Der Firma wird vorgeworfen, das Ausmaß der Katastrophe zu vertuschen und die Öffentlichkeit nur häppchenweise zu informieren. So wurde bekannt, dass Verbindungsschläuche zwischen den Tanks direkt auf dem Rasen der Anlage ausgelegt worden waren; zudem war bis vor kurzen ein Arbeiter für die Überwachung von 500 Tanks zuständig.

Es ist nötig, dass weitestgehend saubere, konventionelle Kraftwerke für eine solide Grundlastabdeckung sorgen und insbesondere in den ausser-städtischen Regionen dezentrale Versorgungslösungen angeboten werden – gerne auch auf genossenschaftlicher Basis der Bürger. Solche genossenschaftlichen Lösungen zum Beispiel im Rahmen von Nahwärmenetzen kranken nicht am Interesse der Bürger, sondern an den vielfältigen behördlichen Auflagen und Vorschriften, die auch interessierte Investoren abschrecken. Hier ist die Politik gefragt, etwas zu unternehmen. Denn dezentrale Versorgung in ausser-städtischen Gebieten senkt den Einfluss der Stromkonzerne, macht die Bürger vom Stromzahler zum Eigentümer und stärkt die regionale Wirtschaft sowie die regionale Zusammengehörigkeit der Bürger.